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Bruno Taut – Geburtstag 2018

138 Jahre alt wäre unser heutiges Geburtstagskind nun:
Bruno Taut, der onmipräsente Mann der Farben.

Sein Name ist in der UNESCO „Ringsiedlung“ nicht direkt vertreten, Fachleute kennen allerdings durchaus den Zusammenhang. Diese Siedlung gehört ja einer Gruppe von insgesamt sechs Siedlungen an, die als „Berliner Moderne“ ein architektonisches Weltkulturerbe verkörpern. Sämtliche dieser Siedlungen – und weitere – hat er maßgeblich beeinflusst und teilweise auch entworfen.
Bruno Taut hat die neue Stilrichtung, das „Neue Bauen“, tatsächlich erst ins Leben gerufen.
Die überwiegend für Arbeiter projektierten Siedlungsbauten erhielten in Nord-Süd-ausgerichtete Zeilen, sodass die Wohnungen ausreichend mit Licht und Luft versorgt waren. Daneben gestaltete er Fassaden und Fassadenelemente mit intensiven Farben, was der Berliner Siedlung „Gartenstadt Falkenberg“ auch die Bezeichnung „Tuschkasten-Siedlung“ einbrachte.
Der Ladenbau der heutigen Infostation wurde, nach langjähriger baulicher Misshandlung, im Jahre 2011 neu eröffnet: Nahezu so wie er 1930 aussah, im Innenbereich allerdings mit Originalfarben aus Bruno Tauts Palette aufgelockert.

Mit Farben und deren Wirkung auf das Wohnumfeld befasste Taut sich schon früh. 1919 startete er unter dem Titel „Die gläserne Kette“ einen geheimen Briefwechsel mit gleichgesinnten Architekten, zu denen auch Walter Gropius und Hans Scharoun gehörten. Schon hier tauschte er sich mit seinen Kollegen über Farbwirkungen aus.

1922 waren in der Magdeburger Innenstadt etwa 80 Hausfassaden nach Tauts Entwürfen farbig gestaltet worden. Mit dieser sehr ungewohnten Farbigkeit handelte er sich zwar zunächst auch heftige Kritik von Magdeburger Bürgern ein, die Aktion brachte der Stadt dann aber den Titel „Bunte Stadt Magdeburg“ und eine beachtliche Resonanz in der Tages- und Fachpresse ein, wurde ein enormer Werbefaktor.

1924 und 1931 führte Taut dann mehrere Aufträge zur Errichtung von Wohnsiedlungen aus. Es entstanden zum Beispiel die Siedlung Schillerpark im Wedding, die „Hufeisensiedlung“ in Britz, die „Wohnstadt Carl Legien“ und die Waldsiedlung „Onkel Toms Hütte“ in Zehlendorf. In diesen Jahren schuf Taut rund 12.000 Wohnungen in Berlin.

Hier in der Goebelstrasse zieht sich der lange Bau Otto Bartnings, der „Lange Jammer“ wahrlich in die Länge. Bruno Taut hat in der Siedlung „Onkel Toms Hütte“ eine mit 450m noch längere Zeile erstellt. Sie bekam damals den Namen „Peitschenknall“ verpasst. Welcher Name gerechtfertigt ist oder nicht, darf natürlich jeder selbst entscheiden

Im Jahr 1930 berief die Technische Hochschule Berlin Taut zum Honorarprofessor für Siedlungs- und Wohnungswesen. Später wurde er Mitglied der Preußischen Akademie der Künste, und der japanische Internationale Architektenbund nahm Taut als Ehrenmitglied auf.
Doch schon wenig später war er seiner Handlungsgrundlage entzogen. Die inzwischen an die Macht gekommenen Nationalsozialisten hatten ihn als „Kulturbolschewisten“ abgestempelt, ihm die Professur und die Mitgliedschaft an der Akademie der Künste entzogen.

Auf Einladung des japanischen Architekten Isaburō Ueno ließ er sich nun in Japan nieder. Taut erhielt hier jedoch bis auf den Auftrag zum Umbau der Villa eines Kaufmanns in Atami (ein Badeort südlich von Tokio) keine Bauaufträge. Das Gebäude ist heute allerdings ein Kulturdenkmal.

Seinen letzten Bauauftrag führte Taut in der Türkei zur Gestaltung des Katafalks für den 1938 verstorbenen Staatsgründer Mustafa Kemal Atatürk aus.

Seit mehreren Jahren litt Taut bereits unter einer Asthmaerkrankung. Dieser erlag der erst 58-Jährige nach einem schweren Anfall an Heilig Abend 1938. Er wurde als bislang einziger Ausländer und Nicht-Muslim auf dem Ehrenfriedhof des türkischen Staates in Edirnekapı, Istanbul bestattet.

Seine kurze Zeit in Japan hat ihn dort dennoch zu enormer Bekanntheit verholfen. Noch heute sprechen japanische Fachbesucher, die zur Infostation kommen sehr viel von Taut, erkennen auch sofort die Farben – und erkunden fast all seine Bauwerke in Berlin.

Bruno Taut war auch immer ein großer Theoretiker des Bauens und verfasste einige Bücher. „Die neue Wohnung“ erschien 1924 und hatte zeitweise einen gewissen Referenzstatus.
Vielleicht ein wenig trivial, zumindest sehr erstaunlich erscheint die Würdigung dieses Werkes in zwei amerikanischen TV-Serien: Sowohl in „How I Met Your Mother“ als auch in „Parenthood“ trägt einer der Hauptdarsteller jeweils einmal kurz ein T-Shirt mit dem deutschen(!) Buch cover …

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